Schweizer Landwirtschaft -

WISSEN

Düngung

Das Pflanzenwachstum und somit der Ertrag ist von demjenigen Nährstoff abhängig, der im Minimum vorhanden ist. Wenn also zum Beispiel Kali und Stickstoff in ausreichender Menge im Boden vorhanden sind, aber im Verhältnis zu wenig Phosphor zur Verfügung steht, hat eine zusätzliche Stickstoffdüngung keinen positiven Effekt auf den Ertrag. Erst wenn das Phosphorangebot optimiert wird, kann die Pflanze den zusätzlichen Stickstoff verwerten. Nährstoffe können sich also nicht gegenseitig vertreten.

Dem Landwirten stehen je nach Pflanze und Anbauverfahren verschiedene Düngungsarten zur Verfügung. Die Grundlagen der Pflanzenernährung bilden bei uns in der Schweiz die hofeigenen Dünger wie Gülle und Mist.

Gülle

Gülle besteht hauptsächlich aus dem Harn der Tiere. Je nach Aufstallungssystem enthält sie zudem mehr oder weniger Kot. Während der Harn reich an Kali ist, weist Kot einen hohen Phosphorgehalt auf. Die in der Gülle enthaltenen Nährstoffe können im Gegensatz zu jenen im Mist kurze Zeit nach dem Ausbringen von den Pflanzen aufgenommen werden. Bei der Lagerung und beim Ausbringen der Gülle muss der Bauer darauf achten, dass möglichst wenig Stickstoff in Form von Ammoniak in die Atmosphäre verloren geht. Denn sonst entsteht nicht nur ein unangenehmer Geruch sondern es gehen auch wertvolle Nährstoffe verloren. Beim Ausbringen der Gülle muss der Landwirt zudem genau auf die Menge und den Zeitpunkt achten. Wird zuviel Gülle ausgebracht oder kann der Boden die Gülle nur unzureichend aufnehmen, besteht die Gefahr, dass das Grundwasser, Seen und Flüsse mit Nitrat belastet werden.

Mist

Stallmist ist ein sehr wertvoller Dünger, der alle Hauptnährstoffe und viele Spurenelemente enthält. Er wird vor allem bei Hackfrüchten wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais eingesetzt. Vor dem Ausbringen wird Mist eine Weile auf dem Miststock gelagert. Während dieser Zeit werden die im Mist enthaltenen Strohteile braun und zerfallen immer mehr. Ein Teil der Nährstoffe wird dabei mineralisiert und für die Pflanzen verfügbar gemacht. Die Restzersetzung findet im Boden statt. Da dieser Vorgang eine Weile dauert, bringt der Bauer den Mist zumeist vor der Aussaat aufs Feld. Je nach Tierart unterscheidet sich der Nährstoffgehalt: So ist Schweinemist reicher an Stickstoff und Phosphor als Rindermist. Am nährstoffreichsten ist Hühnermist.

Mineraldünger

Ausser wenn nach Bio-Richtlinien produziert wird, hat ein viehloser Betrieb oder ein Betrieb, bei dem die Hofdünger nicht ausreichen um den Nährstoffbedarf der Pflanzen zu decken, die Möglichkeit schnelllösliche Mineraldünger zuzukaufen.

Während bei den Hofdüngern der Nährstoffgehalt schwankt, ist er bei den Mineraldüngern genau festgelegt. Deshalb kann die Düngermenge dem Bedarf der Pflanzen und dem Nährstoffvorrat im Boden angepasst werden. Im Unterschied zu den Hofdüngern, stehen die im Mineraldünger enthaltenen Nährstoffe den Pflanzen unmittelbar oder kurze Zeit nach dem Ausbringen zur Verfügung. Die Kehrseite der Medaille ist die Herstellung von Mineraldünger: um ein Kilogramm Stickstoffdünger herzustellen, braucht es rund zwei Liter Erdöl. Zudem ist der Zukauf von Mineraldünger eine kostspielige Sache für die Landwirte. Unterschieden wird zwischen Einnährstoff- und Mehrnährstoff-Dünger: Während ersterer nur einen wesentlichen Nährstoff enthält, sind es bei den Mehrnährstoff-Düngern zwei oder mehrere.

Kann oder will ein Betrieb keine Mineraldünger einsetzen, hat er die Möglichkeit, auf organischen Handelsdünger auszuweichen. Die Produktpalette hat parallel zur Ausdehnung des biologischen Landbaus zugenommen. Organische Mineraldünger werden aus getrockneten Hofdüngern, Grünkompost, Rizinus-Schrot, Traubentrester, Algenextrakten, Zuckerrübenmelasse und vielen anderen Materialen hergestellt. Nach einem vierjährigen Verbot in Folge der BSE-Krise dürfen seit 2005 wieder Dünger verwendet werden, die aus Knochen-, Fleisch- und Blutmehl hergestellt werden. Im Vergleich zum Mineraldünger kostet beim organischen Handelsdünger ein Kilogramm Stickstoff drei- bis viermal mehr.

Der Ertrag lässt sich mit immer grösseren Düngergaben nicht beliebig steigern. Im Gegenteil: Ab einer gewissen Düngergabe nimmt der Ertrag und somit die Wirtschaftlichkeit rapide ab. Man nennt diese Gesetzmässigkeit das "Gesetz des abnehmenden Ertragszuwachses".

 

Weitere Infos

www.erlebnisboden.ch

Suche