Chalandamarz
Im Ober- und Unterengadin, im Val Müstair, im Bergell (Calendimarzo), im Puschlav (Pupocc da marz) sowie im Oberhalbstein hält man an einem uralten, wahrscheinlich bis in die Antike zurückgehenden Frühlingsbrauch dem Chalandamarz fest.
Der Brauch stammt aus der römischen Besatzungszeit. Damals markierte Chalanda Marz (chalanda = erster) den Anfang des Jahres. Dem Mythos nach wurden an diesem Tag die bösen Wintergeister vertrieben. Später wurden an diesem Tag vielerorts im Kanton Graubünden die Ämter neu bestellt. Heute ist Chalandamarz der grösste Festtag der Kinder.
Chalandamarz wird von Dorf zu Dorf unterschiedlich gefeiert. Eine berühmte Darstellung des Brauchs schrieb Alois Carigiet in seinem Kinderbuch Uorsin "Schellenursli" nieder.
Am 1. März macht sich die Schülerschaft früh morgens auf den Weg durch ihre Dörfer, um geschmückt mit Papierrosen und umgeschnallten Kuhglocken, Peitschen, die Wintergeister zu vertreiben, oder, wie andere Quellen berichten, die Frühlingsgeister unter der Schneedecke zu wecken. Die Jugendlichen ziehen von Haus zu Haus und bitten deren Bewohner um eine Gabe. Auf allen Plätzen im Dorf werden Lieder gesungen, die vom Frühling, dem Leben auf der Alp und den Bauernhoftieren, die aus dem Stall auf die Wiesen gelassen werden, erzählen.
Chalandamarz, chaland’ avrigl
laschai las vachas our d’ uigl,
cha l’ erba crescha
e la naiv svanescha…
Erster März, erster April
lasset die Kühe aus dem Stall
auf dass das Gras wachse
und der Schnee verschwinde...


