Ein Drittel der untersuchten Schweizer Arten gefährdet
26.01.2012 - (lid) - Schweizer Biologen und Artenspezialisten haben in den vergangenen Jahren über 10'000 Pflanzen-, Tier- und Pilzarten in der Schweiz untersucht. Über ein Drittel davon ist gefährdet, wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) nun ausgerechnet hat.
In der Schweiz sind bisher für 27 Tier-, Pflanzen- und Pilzgruppen Rote Listen erstellt worden - die ersten bereits vor mehr als 30 Jahren, wie das BAFU gemäss Mitteilung der SDA am Donnerstag mitteilte. Insgesamt wurde so für etwas mehr als 10'000 der 46'000 bekannten, in der Schweiz vorkommenden Arten eine Lagebeurteilung vorgenommen.
Eine vom BAFU erstellte Synthese zeigt nun, dass von den 10'000 untersuchten Arten 36 Prozent gefährdet sind. Drei Prozent gelten gar als in der Schweiz ausgestorben - etwa ein Pflänzchen namens Bodensee-Steinbrech, ein Singvogel namens Orpheusgrasmücke oder ein ehemals im Genfersee beheimateter Fisch namens Gravenche. Fünf Prozent der Arten sind vom Aussterben bedroht, darunter der Rotkopfwürger (ein Vogel) und der Apron (ein Fisch). Elf Prozent gelten als stark gefährdet und 17 Prozent werden von den Forschern der Kategorie "verletzlich" zugeordnet.
Die Synthese zeigt auch, dass in den vergangenen Jahrzehnten das Verbreitungsareal und die Bestände zahlreicher Arten geschrumpft sind. Die grösste Gefährdung ist die Zerstörung oder Verschlechterung von Lebensräumen, etwa durch Intensivierung der Landwirtschaft oder das Entfernen von Weihern oder Gehölzen.
Für einige Arten geht es aber auch wieder bergauf: Der Bartgeier und der Biber, die einst in der Schweiz ausgestorben waren, sind heute dank Wiederansiedelungsprogrammen gut etabliert.
Die Zahlen zeigten aber unmissverständlich, dass die bisherigen Massnahmen nicht ausreichten, um die Artenvielfalt in der Schweiz längerfristig zu gewährleisten, schreibt das Bundesamt gemäss SDA. Eine Verbesserung erhofft sich das BAFU von der Strategie Biodiversität Schweiz, die sich momentan in der politischen Beratung befindet.