Schweizer Landwirtschaft -

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Landwirtschaft im Spannungsfeld verschiedener Ansprüche

04.01.2012 - (lid) – Die Erwartungen an die Landwirtschaft sind heterogen: Wirtschaft, Industrie und Gastronomie wollen Lebensmittel zu wettbewerbsfähigen Preisen, Tier- und Naturschutz rufen nach mehr Ökologie und Tierwohl. Beides könne nicht maximiert, sondern lediglich optimiert werden, macht der Schweizerische Bauernverband (SBV) klar.

Vizepräsident Josef Dissler, Landwirt Michael Schneider und Direktor Jacques Bourgeois (von links). (mw)

Die Landwirtschaft befinde sich im Dilemma, erklärte SBV-Direktor Jacques Bourgeois anlässlich der Präsentation des Situationsberichts an der Medienkonferenz in Mattstetten BE. Wirtschaft, Industrie und Gastronomie würden eine international konkurrenz- und wettbewerbsfähige Produktion verlangen, während Tier- und Naturschutz die Bereiche Ökologie und Tierwohl stärker fördern wollen. Und die Konsumenten möchten meist gleich beides – eine möglichst ökologische und tierfreundliche Produktion zu tiefen Preisen. Kompromisse seien notwendig, denn man könne nicht den Fünfer und das Weggli haben, erklärte Bourgeois. Ansprüche wie mehr Tierschutz oder mehr Konkurrenzfähigkeit seien Zielkonflikte, die nicht maximiert, sondern lediglich optimiert werden könnten.

Francis Egger, Leiter Wirtschaft, Politik und Internationales beim SBV, erinnerte an die vielfältigen Leistungen, die die Bauern erbringen. So produzieren sie nicht nur hochwertige Nahrungsmittel, sie pflegen auch die Landschaft und erfüllen Vorgaben bezüglich Tierwohl und Ökologie. Egger sprach von einem Mehrwert, der sich etwa in einer in den letzten Jahren verbesserten Phosphor- und Stickstoffeffizienz zeige oder in der Tatsache, dass heute 98 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen nach Vorgaben des ökologischen Leistungsausweises bewirtschaftet würden. All diese Leistungen würden nicht vollumfänglich vom Markt abgegolten. Deshalb unterstütze der Bund die Bauern.

Magdalena und Michael Schneider, auf deren Betrieb die Medienkonferenz stattfand, erklärten, dass sie beim Ausbringen der Gülle einen Schleppschlauch einsetzen, womit sich die Ammoniak-Emissionen reduzieren lassen. Zudem würden sie bei einem Vernetzungsprojekt mitmachen. Unlängst hätten sie 60 neue Hochstammbäume gepflanzt und ihre Schweine würden besonders viel Auslauf geniessen. All dies sei mit einem Mehraufwand verbunden, was aufgrund des Preisdrucks nicht immer einfach sei zu bewerkstelligen, erklärte Michael Schneider.

Wie aus dem Situationsbericht des SBV hervorgeht, ging im letzten Jahr der Arbeitsverdienst pro Familienarbeitskraft um 3,7 Prozent auf 37‘700 Franken zurück. „Die Einkommenssituation in der Landwirtschaft bleibt im Vergleich mi den anderen Sektoren auf unbefriedigend tiefem Niveau“, kritisierte SBV-Vizedirektor Josef Dissler. Mehr als ein Drittel aller Betriebe würden heute von der Substanz leben. „Das ist ökonomisch nicht nachhaltig“, gab er zu bedenken. Der Druck auf die Produzentenpreise werde auch in Zukunft gross bleiben – etwa wegen eines weiteren Abbaus beim Grenzschutz, ausländischer Konkurrenz oder der Frankenstärke.

2011 war für die Pflanzenproduktion ein Lichtblick. Bei allen Kulturen fielen die Ernten qualitativ wie quantitativ hervorragend aus, erklärte Dissler. Bei Kartoffeln, Zuckerrüben und Kirschen konnten die Bauern gar Rekordernten einfahren. Sorgen bereiteten dem SBV indes der Schweine- und Milchmarkt. Die Schweinepreise blieben auch 2011 im Keller und bei der Milch seien die Preise aufgrund der Überproduktion derart tief, dass eine kostendeckende Produktion nicht mehr möglich sei.

Der Situationsbericht "Die Schweizer Landwirtschaft bringt Mehrwert":

 

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